Der Zweitblog existierte schon lange, und ich möchte in Zukunft nicht nur aus technischen Gründen nur noch einen Blog betreiben. Dieser ist zu finden unter http://tilman.wordpress.com/
Ab sofort finden hier keine Eintragungen mehr statt. Mag sein, dass ich erhaltenswerte Postings rübermigriere, auf absehbare Zeit werde ich diesen Blog löschen.
Ich wundere mich retrospektiv, was ich früher so alles von mir gegeben habe. In 10 Jahren von jetzt an wird es mir mit meinen aktuellen Postings wahrscheinlich ähnlich gehen.
Nach den jüngsten Todesfällen flammt erneut die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan auf. Der Tod der Soldaten wirft zum wiederholten Male die Frage auf, ob ein Abzug der Truppen nicht angebracht wäre, weil die Verluste an Menschenleben den angeblichen Nutzen der Mission nicht rechtfertigen. Ist das so?
Meines Erachtens haben wir hier 2 getrennte Aspekte zu erörtern: Die generelle Sinnhaftigkeit des Afghanistan-Einsatzes und die Frage nach dem Preis in Form von Menschenleben, den man für diesen Einsatz zu zahlen bereit ist.
Die Sinnhaftigkeit ist meines Erachtens nicht objektiv zu beurteilen. Für den Einsatz spricht, dass im anderen Falle, überliesse man Afghanistan sich selbst, die Taliban dort die Macht übernehmen würden und die so entstehende Staatsform nicht dem westlichen Demokratie- und Moralverständnis entspricht. Umgekehrt steht zur Diskussion, was den westlichen Industrienationen die Rechtfertigung gibt, ihre Auffassung von menschlichem Miteinander anderen Staaten als kanonisch aufzuprägen. Es gibt genug Punkte, in denen die westlichen Gesellschaften in ihrem innerstaatlichen und zwischenstaatlichen Zusammenleben angreifbar sind.
Gehen wir davon aus, dass die zur Zeit der Griechen und Römer geprägten Werte von Humanismus und Moral, wie sie bis heute verfeinert wurden, universell sind, gibt es genügend Gründe, eine konzertierte Aktion aller Nationen in Afghanistan zu befürworten. Auf festem Grund stehen wir hier jedoch nicht.
Die aktuelle Situation in Afghanistan erfordert immer noch den Einsatz des Militärs. Hier kommen wir zum zweiten Aspekt. Aktuell werden die Todesfälle alleine als Grund angeführt, die Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Dies kann ich nur als naiv bezeichnen.
Da die Menschen im Umgang miteinander bis heute nicht gelernt haben, gewaltfrei miteinander auszukommen, muss der Staat auch unter Nutzung seines Gewaltmonopols für Recht und Ordnung bzw. für die Wahrung seiner Interessen sorgen. Dies erfolgt im Inneren durch die Polizei, im Äusseren durch das Militär. Beide Institutionen sind im entsprechenden Fall verpflichtet, auch durch Ausübung von Gewalt ihrem Auftrag nachzukommen. Gerade bei der Bundeswehr ist unter Bezugnahme auf die deutsche Vergangenheit eine derartig defensive Einstellung Pflicht, dass die Ausübung von Gewalt nur zur Selbstverteidung ernsthaft erwägt wird. Umgekehrt formuliert: Ein friedfertigeres Militär als die Bundeswehr ist kaum vorstellbar. Dennoch ist in Krisengebieten ein Risiko, in gefährlichen Situationen umzukommen, nicht von der Hand zu weisen. Dies ist, nimmt man den Einsatz als gerechtfertigt an, jedoch unabweislich. Wollte man dieses Risiko ausschalten, dürfte die Bundeswehr, und sie tut dies als NATO-Partner bzw. im UN-Auftrag ja nicht eigenmächtig, sondern auf Aufforderung, keinerlei Einsätze in Krisengebieten oder in Krisensituationen ausüben, was die Existenz der Bundeswehr mit all ihrer Waffentechnik ad absurdum führt.
Des weiteren ist das Risiko, bei der alltäglichen Ausübung seines Berufs zu Tode zu kommen, auch bei im Auto fahrenden Handlungsreisenden, bei Waldarbeitern, Medizinern, Berufskraftfahrern etc. nachweislich gegeben. Die Unfallstatistiken nicht nur auf deutschen Strassen sprechen hier eine deutliche Sprache. Der Unterschied ist nur, dass wir gelernt haben, all diese Risiken in unser tägliches Leben "einzupreisen", es zu akzeptieren, weil ein Leben ohne Risiko unmöglich ist.
Ich möchte hiermit das deutlich erhöhte Risiko der Soldaten in Krisengebieten nicht kleinreden. Doch, unter der Massgabe, dass ein Einsatz in Krisengebieten unter Abwägung aller Argumente als sinnvoll erachtet wurde, kommen wir nicht umhin, dieses potenzierte Risiko zu tragen.
Die Gegenfrage muss weiterhin erlaubt sein: Wäre kein deutscher Soldat in Afghanistan zu Tode gekommen, wie sähe dann die Beurteilung der Situation aus? Und: wieso kommen die lauten Rufe hierzulande nur, wenn deutsche Soldaten sterben und nicht bei britischen oder amerikanischen Soldaten, wo die Todesfälle längst den dreistelligen Bereich erreicht oder überschritten haben? Wo ist der Unterschied? Entweder ist jeder Tote zuviel, oder jeder Tote ist eben nur Verpflichtung, den Auftrag zur Sicherung von Stabilität und Menschenrechten in der Region mit umso mehr Vehemenz auszuführen.
Die Entsendung von Soldaten in Krisengebieten, das sei ergänzend hinzugefügt, erfordert einerseits eine klare Kommunikation der Politik an die Truppen und an die Bevölkerung, um keine Unklarheit über die Gefahren zu lassen. Eine Verharmlosung, wie sie bisher erfolgt ist, ist nicht angebracht. Des weiteren ist die Truppe natürlich in ihrer Entscheidungsfreiheit und in ihrer technischen Ausstattung so zu unterstützen, dass sie für ihre eigene Sicherheit hinreichend sorgen kann.
Auf Kommentare bin ich gespannt, ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ich im Kern die Frage erörtere, inwieweit Todesrisiken bei als gerechtfertigt geltenden Einsätzen hinzunehmen sind oder nicht. Die Frage, ob wir in Afghanistan aktiv sein dürfen oder nicht ist wichtig und muss diskutiert werden, aber darum geht es nicht. Und ich werde hierzu auch keine abschliessende Meinung äussern, weil ich es mangels Wissen nicht kann. Zudem ist es eine Entscheidung, die auf UNO-Ebene getroffen werden muss. Ich bin schon fast versucht zu sagen: Wie hat der Staatenbund bei innerstaatlichen Krisensituationen im Grundsätzlichen zu reagieren. Was sind die Parameter, die ein Eingreifen notwendig machen?
Kaum ist das Wetter besser, verlagert sich das Leben wieder nach draussen. Auf dem Dorf bedeutet das, dass vor und hinter dem Haus beständiges Kommen und Gehen herrscht. Die Kinder bewegen sich wie ein Bienenschwarm frei zwischen Haus, Garten und Lokalitäten wie Dorfbrunnen, Spielplatz und Bauernhof.
Ich glaube, es gibt kaum einen Platz, der mit einer derartigen Reichhaltigkeit an Erfahrungen aufwarten kann als das ursprüngliche, agrarisch geprägte Dorf. Mag sein, dass das einfach nur ein direkter Bezug zu meiner Kindheit ist, dass das Dorf, in dem ich hier von Zeit zu Zeit verweile, so sehr daran erinnert. Und auch in der Stadt, das entsprechende Umfeld vorausgesetzt, kann man genauso glücklich und vor allem behütet aufwachsen, weil das soziale Umfeld noch intakt ist - gesund eben - doch Komponenten wie Wiesen, Äcker, Wald und eben Bauernhöfe sind in der Stadt eher nicht zu finden.
Je älter man wird, desto attraktiver wird die Stadt, mit ihren vielen Angeboten, gerade auch auf intellektueller Ebene und der unglaublichen Diversität der Menschen.
Letzten Endes - das zeichnet sich ab - ist der überschaubare Kreis sozialer Kontakte die Destination, in der die Mischung aus immergleichem Alltag, durchdrungen von jahreszeitlichen Aktivitäten und der langwelligen Reifung durch Alterung den Rahmen für das Leben bietet, das erfüllt. Das Besondere tritt in einer auf den ersten Blick reizarmen Umgebung viel klarer hervor.
Was ich noch gerne ausarbeiten möchte: Arbeiten im regionalen Umfeld. Die Regionalisierung der Nahrungsmittelerzeugung und -beschaffung. Das Spannungsfeld zwischen der globalen Gleichsetzung von Lebensstandards und die sich daraus für die Industrienationen ergebenden Konsequenzen. Kann sich nur noch um Monate handeln.
Derzeit höre ich ein Hörbuch von Pessoa. Das Buch der Unruhe. Ich behalte wenig Details, mir fällt nur immer wieder auf, in welcher Dichte P. bemerkenswerte Aussagen trifft. Auch wenn ich nicht immer spontan übereinstimme, regen sie zum Nachdenken an. Wodurch ich die folgenden Sätze verpasse. Weswegen ich das Buch eigentlich lesen statt hören müsste. Das langsame Lesen, das ich mir bei Proust zueigen machen musste, benötigte ich auch hier und es steht mir nicht zur Verfügung bei einem Hörbuch. Interessante Erfahrung. Pessoa hat eine Weltsicht, in der Leid, Schmerz und andere für den "normalen" Menschen eher negativen Erfahrungen in erster Linie als intensive Emotionen beobachtet und verstanden werden. In der Monotonie ihr Gutes hat. In der es nicht auf das "Was?" des Außergewöhnlichen ankommt, sondern um das reine "Dass!" Ein merkwürdig duldsamer Beobachter des eigenen Leids, der eigenen Starre.
Ein Schlussstrich war gezogen worden. Ich war lange davon ausgegangen, dass eine gemeinsame, glückliche Vergangenheit etwas ist, das auf der Guthabenseite zu verbuchen ist. Für einige Zeit schien sich das auch zu bewahrheiten. Nun wird mir, durch eine zutage tretende Positionsänderung, diese Vergangenheit entzogen. Sie wird entwertet. Negiert. Ausgelöscht. Es ist interessant zu lernen, dass dieser Verlust, macht man ihn sich nur klar, auch ohne Schmerz erfahren werden kann. Es ist interessant zu lernen, was uns inneren Frieden gibt. Und was dazu nicht nötig ist.